Es gibt wahrscheinlich niemanden in Ungarn, der noch nicht von den privaten Gesundheitskassen gehört hätte. Viele machen auch von der Steuerrückerstattungsmöglichkeit und der damit verbundenen 20%-igen Steuergutschrift Gebrauch. Jedoch gibt es anhand unserer Erfahrungen selbst unter den Mitgliedern noch genügend Personen, die sich über die Vorteile der Mitgliedschaft in einer Gesundheitskasse und den damit verbundenen Steuervergünstigungen nicht ganz im Klaren sind. In meinem Artikel versuche ich, die wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit den Gesundheitskassen zu beantworten, und ohne Anspruch auf Vollständigkeit werde ich die Vorteile und die Bedingungen zur Inanspruchnahme der Vorteile zusammenfassen, die durch die Mitgliedschaft in einer Gesundheitskasse möglich sind.

Mitgliedschaft in einer Gesundheitskasse

 

Für wen lohnt sich die Mitgliedschaft in einer Gesundheitskasse?

Die Mitgliedschaft in einer Gesundheitskasse sollte von allen Personen in Ungarn in Betracht gezogen werden, die regelmäßig mit Gesundheitsausgaben rechnen oder eine größere Gesundheitsausgabe planen (z. B. eine Augenoperation zur Korrektur der Sehstärke). Hierbei ist es wichtig, dass nicht nur die Gesundheitsausgaben des Mitglieds, sondern auch die von seinen nahen Verwandten durch die Gesundheitskasse finanziert werden können. Eine Voraussetzung dafür ist, dass die nahen Verwandten bei der Kasse gemeldet werden. Vor diesem Hintergrund gibt es in Ungarn kaum eine Familie, bei der es sich nicht lohnen würde, dass eines der Familienmitglieder sich der Gesundheitskasse anschließt.

Was ist das Wesentliche an der Gesundheitskasse? 

Die Mitglieder haben für ihre Beiträge einen Anspruch auf Gesundheitsleistungen (meist mit erheblichen Rabatten) durch die Gesundheitskassen, bzw. ihre Gesundheitsausgaben (z. B. Kauf von Medikamenten oder Brillen, zahnärztliche Behandlung usw.) werden gegen Rechnung zu Lasten der Einzahlungen des jeweiligen Beitragskontos des einzelnen Mitglieds durch die Gesundheitskassen erstattet.

Die Mitglieder der Gesundheitskassen können 20%, aber jährlich höchstens 150.000 HUF (ca. 480 EUR) des im jeweiligen Jahr auf ihr Beitragskonto gutgeschriebenen Betrags von ihrer Einkommensteuer zurückfordern. Dies wird Ihrem Beitragskonto gutgeschrieben, so dass Sie damit weitere medizinische Ausgaben finanzieren können.

Ein weiterer Vorteil der Mitgliedschaft in einer Gesundheitskasse besteht darin, dass die ungenutzten Beträge auf dem Beitragskonto als Festgeld angelegt werden können, und dadurch eine Rendite erreicht bzw. für Festgelder mit mindestens 24 Monate Laufzeit eine 10%-ige Steuergutschrift geltend gemacht werden kann.

Ist nur für Mitglieder eine Einzahlung auf das Beitragskonto möglich? 

Der Arbeitgeber des Mitglieds einer Gesundheitskasse kann in beliebiger Höhe ebenfalls Einzahlungen auf die Beitragskonten seiner Arbeitnehmer leisten. Diese Einzahlungen gelten als spezielle Leistungen, wonach der Arbeitgeber eine 15%-ige Einkommensteuer und ab 1. Januar 2018 einen Gesundheitsbeitrag in Höhe von 19,5% entrichten muss (Gesamthöhe der Steuern und Abgaben ab 1. Januar 2018: 40,71%). 

Für welche weiteren Leistungen kann das Guthaben bei der Gesundheitskasse noch verwendet werden?

Neben den Gesundheitsleistungen gibt es noch eine Reihe von Leistungen, bei denen vielen gar nicht in den Sinn käme, dass diese ebenfalls mit dem Beitragskonto finanziert werden können. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, sind solche Leistungen zum Beispiel die Ergänzung der Geldleistungen bei Entbindung, finanzielle Unterstützung bei Kindererziehung, bzw. zum Jahresbeginn und Schulanfang, Erstattung von Bestattungskosten oder sogar Unterstützung bei der Tilgung von Wohnungsbaudarlehen. Bei der Finanzierung solcher Leistungen ist es ausschlaggebend, dass die Mitglieder ihren Anspruch auf diese Leistungen der Gesundheitskasse innerhalb einer bestimmten Frist anmelden. Einzahlungen auf das Beitragskonto können erst nach einer sogenannten Wartezeit von 180 Tagen zur Bezahlung der obengenannten Leistungen verwendet werden. Darüber hinaus legen die gesetzlichen Bestimmungen weitere Bedingungen zur Inanspruchnahme dieser Leistungen fest. Zum Beispiel kann der beantragte Betrag zur Unterstützung bei der Tilgung des Wohnungsbaudarlehens monatlich höchstens 15% (für 2018 20.700 HUF – ca. 67 EUR pro Monat) des am ersten Tag des laufenden Jahres gültigen Mindestlohns betragen. Natürlich sind die Mitglieder bei Inanspruchnahme der Unterstützung bei der Tilgung des Wohnungsbaudarlehens in Höhe von 20.700 HUF (ca. 67 EUR) auch zu einer Steuergutschrift von 20% berechtigt.

Worauf muss bei Erstellung der Einkommensteuererklärung geachtet werden?

Der 20%-ige Steuervergünstigung für Einzahlungen in die Gesundheitskasse wird nicht automatisch gutgeschrieben. Die Mitglieder der Gesundheitskassen müssen dies bei ihrer Einkommensteuererklärung mittels einer gesonderten Erklärung anordnen. Es ist wichtig, anzumerken, dass auf regelmäßige Beiträge des Arbeitgebers keine 20%-ige Steuervergünstigung in Anspruch genommen werden kann.

Kann wegen Mitgliedschaft in einer Gesundheitskasse eine Steuerzahlungspflicht entstehen? 

Hierbei kann es Fälle geben, in denen bei einer Privatperson eine Steuerzahlungspflicht entsteht. Diese Fälle können typischerweise in zwei Gruppen unterteilt werden. Eine davon ist, wenn eine Auszahlung für das Kassenmitglied  unberechtigt erfolgt, weil beispielsweise das vorgeschriebene ärztliche Attest nicht zur Verfügung steht oder der Verwandte nicht bei der Kasse angemeldet ist. Der andere Fall tritt ein, wenn das Mitglied eine Spende erhält (z.B. eine Einzahlung, die der Arbeitgeber als Spende getätigt hat). In diesem Fall gelten die verrechneten Beträge als sonstige Einkünfte des Mitglieds und sind in der Einkommensteuererklärung anzugeben. 84% dieser Beträge unterliegen einer 15%-igen Einkommensteuer und einem 19,5%-igen Gesundheitsbeitrag (Gesamthöhe der Steuern und Abgaben: 28,98%).

Für die Arbeitgeber in Ungarn kann der Beitrag zur Gesundheitskasse eines Mitarbeiters aus mehreren Aspekten eine gute Lösung bedeuten. Einerseits können die so gezahlten Beträge bei den Arbeitgebern als Kosten verrechnet werden, andererseits können sie durch günstigere Besteuerungsbedingungen als bei Löhnen und Gehältern ihre Mitarbeiter finanziell unterstützen, was nicht zuletzt auch eine Arbeitskraft erhaltende Wirkung hat. Senden Sie uns eine E-Mail, damit wir aufzeigen können, wie es bei Ihnen funktionieren würde!