Substanzorientierte AnsätzeNachdem wir zum Auftakt unserer Artikelreihe die Notwendigkeit der Unternehmensbewertung und der möglichen Methoden unter die Lupe genommen haben, haben wir die Besonderheiten der ertragsorientierten und der vergleichsorientierten Methoden detailliert analysiert. In unserem aktuellen Artikel stellen wir nun substanzorientierte Ansätze vor. 

Was ist der Ausgangspunkt für substanzorientierte Ansätze?

Substanzorientierte Ansätze basieren grundsätzlich auf Jahresabschlussdaten aus der Vergangenheit. Mit dieser Methode kann der Unternehmenswert aus der Differenz der Buchwerte der im Besitz der Gesellschaft befindlichen Vermögenswerte und Verbindlichkeiten ermittelt werden. 

Welche substanzorientierten Ansätze kennen wir?

Grundsätzlich können substanzorientierte Ansätze in zwei Gruppen unterteilt werden:

  • Bewertung nach dem Grundsatz der Unternehmensfortführung
  • Anwendung des Liquidationswerts

Wenn wir vom Grundsatz der Unternehmensfortführung ausgehen, können die Vermögenswerte zum Buchwert oder zum Verkehrswert bewertet werden, wodurch mögliche stille Reserven aufgedeckt werden. In solchen Fällen können die Daten des Jahresabschlusses der Gesellschaft als Grundlage der Bewertung von Aktiva und Passiva dienen. Ein typisches Beispiel für stille Reserven ist eine vor vielen Jahren erworbene Immobilie, deren Marktwert nach der Bewertung eines unabhängigen Gutachters deutlich über dem Buchwert liegen kann.

Der Liquidationswert wird dann angewendet, wenn die Eigentümer des Unternehmens die Geschäftstätigkeit nicht fortführen wollen, bzw. das Unternehmen sie nicht fortführen kann. Somit ist die Gesellschaft gezwungen, die Vermögenswerte zu verkaufen, um mit den daraus resultierenden Geldzuflüssen ihre Gläubiger zufrieden zu stellen und um anderen Verpflichtungen nachkommen zu können. In solchen Fällen können die Vermögenswerte eines Unternehmens vom Insolvenzverwalter oder Liquidator in der Regel zu einem wesentlich niedrigeren Wert als der Verkehrswert, dem Liquidationswert veräußert werden. Daher führt der Liquidationswert normalerweise zu einem niedrigeren Unternehmenswert als die Bewertung nach dem Grundsatz der Unternehmensfortführung. 

Welche Probleme ergeben sich bezüglich des Vermögenswerts?

Der Buchwert der Vermögenswerte kann je nach Rechnungslegungsgrundsätzen (z.B. IFRS oder Rechnungslegungsgesetz) und Anwendung der Wahlrechte der Rechnungslegungsgrundsätzen variieren, die die jeweilige Rechnungslegungsgrundsätzen vorsehen. Es ist daher leicht einzusehen, dass substanzorientierte Ansätze durch die vom Unternehmen gewählten Bewertungsmethoden erheblich beeinflusst werden können. In solchen Fällen ist beispielsweise eine Neubewertung durch die Nutzung der vom Erwerber angewandten Bewertungsverfahren möglich, um einen relevanteren Wert zu erhalten.

Des Weiteren kann versucht werden, die Differenz zwischen dem Verkehrswert und dem Buchwert der Vermögenswerte, den so genannten stillen Reserven aufzudecken, wobei Aktiva und Passiva anstatt des Buchwerts zum Verkehrswert bewertet werden. Die Ermittlung des Verkehrswerts ist ein weitaus komplexerer Prozess, als die auf dem Buchwert basierende Bewertung. Die Ermittlung vom Verkehrswert kann auch die Einbeziehung eines Gutachters zur Vermögenbewertung erforderlich machen. In der Regel kann der Verkehrswert der Vermögenswerte durch Recherche nach Vergleichspreisen oder durch die Bestimmung des Wiederherstellungswerts ermittelt werden.

Bei der Ermittlung des verkehrswertbereinigten Buchwerts können auch Vermögenswerte während der Aufdeckung stiller Reserven in die Bewertung einbezogen werden, die im Abschluss nicht enthalten sind, wie z. B. der Geschäfts- oder Firmenwert oder Kundenstamm. Der hier als Beispiel angeführte Geschäfts- oder Firmenwert, d.h. der Unternehmenswert, sollte widerspiegeln, welchen höheren Wert das Unternehmen hat, als nur die einfache Differenz seiner Vermögenswerte und Verbindlichkeiten. Die Ermittlung vom Geschäfts- oder Firmenwert erfordert jedoch die Einbeziehung einer anderen Bewertungsmethode, der ertragsorientierten Bewertungsmethode. So kann es zu Mischbewertungsverfahren kommen.

Worin liegt die Bedeutsamkeit der Methode? 

Man kann sagen, dass der Vermögenswert den Mindestwert unter den Unternehmenswerten angibt, da das Unternehmen auf jeden Fall so viel wert ist, wie der Wert seiner Vermögenswerte abzüglich des erforderlichen Betrags zur Begleichung der Verbindlichkeiten beträgt. Das Verfahren hat den Vorteil, dass der Buchwert der Vermögenswerte aus veröffentlichten Abschlussdaten sehr leicht verfügbar ist.

Welche Nachteile haben substanzorientierte Ansätze? 

Die Schwachpunkte dieser Methode:

  • Die Bewertung berücksichtigt nicht die zukünftigen Potenziale des Unternehmens.
  • Die zukünftige Strategie des Unternehmens wird nicht berücksichtigt.
  • Wegen Anwendung von buchhalterischen Bewertungsmethoden ist sie beeinflussbar.
  • Bei einer Angleichung zum Verkehrswert ist die Einbeziehung eines Gutachters zur Vermögensbewertung erforderlich.
  • Die Aufdeckung und Bewertung von Vermögenswerten, die in den Büchern nicht erfasst sind, wie beispielsweise Geschäfts- oder Firmenwert, ist eine sehr komplexe und zeitaufwendige Aufgabe.

Substanzorientierte Ansätze werden wegen ihrer Einfachheit angewandt. Ihre Bedeutung liegt darin, dass durch sie der Mindestwert eines Unternehmens bestimmt werden kann.

Wenn Sie für weitere Details zu einer Unternehmensbewertung interessieren oder ein einzelnes Unternehmen bewerten möchten, kontaktieren Sie bitte die Experten unseres Geschäftsbereichs Financial Advisory.

 

Szabolcs Szeles

Direktor Financial Advisory

Tel: +3618873723

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